
Welche Motive und Zielsetzungen stehen hinter der Übertragung von Vermögen auf eine liechtensteinische Stiftung oder einen liechtensteinischen Trust?
Zunächst ist wichtig:
Eine Stiftung oder ein Trust ist keine Alternative zu einer Bank. Es sind zwei unterschiedliche Dinge, die sich in der Praxis ergänzen. Eine Stiftung oder ein Trust hält und strukturiert Vermögen; für Bankguthaben und Wertschriften unterhält diese Struktur ihrerseits Konten und Depots bei Banken – in Liechtenstein oder im Ausland.
Warum gründet jemand überhaupt eine Stiftung oder einen Trust?
Vereinfacht gesagt geht es darum, Vermögen nicht nur anzulegen, sondern langfristig zu organisieren und einem bestimmten Zweck zu widmen. Der Stifter kann beispielsweise festlegen, dass ein Vermögen über mehrere Generationen erhalten bleibt und der Familie dienen soll. Andere Motive sind eine geordnete Nachlassplanung oder philanthropische und gemeinnützige Zwecke.
Besonders anschaulich ist dies bei Familienunternehmen. Hält eine Stiftung die Beteiligung am Unternehmen, wird diese beim Tod des Unternehmers nicht auf mehrere Erben aufgeteilt. Das Unternehmen kann als Einheit erhalten bleiben, während in der Stiftung geregelt wird, wie die Familie daran wirtschaftlich partizipiert. Damit lassen sich Eigentum, Unternehmensführung und die Interessen einzelner Familienmitglieder besser voneinander trennen. Das kann wesentlich zur langfristigen Stabilität eines Familienunternehmens beitragen.
Stiftungen und Trusts können zudem sehr unterschiedliche Vermögenswerte halten: neben Bankvermögen beispielsweise Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Kunstsammlungen oder andere Vermögenswerte, die langfristig zusammengehalten werden sollen. Selbst ein Familienarchiv kann Teil einer solchen Struktur sein.
Die Bank beantwortet also die Frage: Wie wird das Finanzvermögen verwahrt und angelegt? Stiftung oder Trust beantworten eine andere Frage: Wem soll das Vermögen langfristig dienen, nach welchen Regeln und über welche Generationen hinweg?
Liechtenstein verfügt auf diesem Gebiet über eine sehr lange Tradition und einen spezialisierten Finanzplatz. Insbesondere die liechtensteinische Stiftung ist international ein etabliertes Instrument für Vermögens- und Nachfolgeplanung. Gleichzeitig unterliegen die beteiligten Finanzintermediäre umfangreichen regulatorischen und sorgfaltspflichtrechtlichen Anforderungen.
Was bedeutet „eingetragene“ und „nicht eingetragene“ Stiftung?
Hier sollte man präziser von eingetragenen und nicht eingetragenen bzw. hinterlegten Stiftungen sprechen. Bestimmte Stiftungen werden in das Handelsregister eingetragen und sind dort entsprechend ersichtlich. Privatnützige Stiftungen müssen grundsätzlich nicht eingetragen werden, sondern es genügt eine Gründungsanzeige beim Amt für Justiz. Sie sind deshalb nicht in gleicher Weise öffentlich über das Handelsregister einsehbar. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie gegenüber den Behörden „unsichtbar“ wären.
Auch die gesetzlichen Pflichten zur Feststellung und Meldung der wirtschaftlich berechtigten Personen gelten unabhängig davon. Die entsprechenden Informationen werden im Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen geführt; dessen Einsicht richtet sich nach den gesetzlichen Voraussetzungen.
Warum ist die Zahl der Stiftungen zurückgegangen?
Der Rückgang hat verschiedene Gründe. Ein wesentlicher Faktor war die grundlegende Veränderung des internationalen Steuer- und Transparenzumfelds in den vergangenen rund 15 bis 20 Jahren. Liechtenstein hat diesen Wandel mit seiner Weissgeldstrategie bewusst vollzogen.
Gleichzeitig sind die regulatorischen Anforderungen und damit die Kosten für die professionelle Verwaltung einer Stiftung deutlich gestiegen. Bei kleineren Vermögen kann eine eigene Stiftung deshalb wirtschaftlich weniger sinnvoll sein als früher. Dies hat ebenfalls dazu geführt, dass zahlreiche kleinere Strukturen aufgelöst wurden.
Das bedeutet aber nicht, dass die Stiftung an Bedeutung verloren hätte. Gerade bei grösseren Vermögen, Familienunternehmen und komplexen Nachfolgesituationen besteht weiterhin eine erhebliche Nachfrage. Generationenübergreifende Vermögens- und Nachfolgeplanung, der langfristige Erhalt von Familienunternehmen und philanthropisches Engagement gehören heute zu den zentralen Einsatzgebieten.

