
Ein Weckruf für die digitale Resilienz
«Für einen kleinen und international stark vernetzten Finanzplatz wie Liechtenstein ist digitale Resilienz keine rein technische Frage. Sie ist eine Standortfrage.»
Der Cyberangriff am 30 Juli 2026 auf das Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen (VwbP) stiess eine Diskussion an, die weit über den konkreten Vorfall hinaus geht: Wie gut ist Liechtenstein darauf vor bereitet, hochsensible wirtschaftliche und personenbezogene Daten in einer zunehmend digitalen Welt zu schützen?
Im Rahmen der Kommunikation zu diesem Vorfall war des Öfteren zu hören: «Cyberangriffe lassen sich nie vollständig verhindern. Auch gut geschützte Systeme können zum Ziel werden.»
Diese Aussagen treffen zu. Zugleich gewinnt die Warnung des britischen theoretischen Physikers Stephen Hawking (1942–2018) – «The rise of powerful AI will be either the best or the worst thing ever to happen to humanity. We do not yet know which» – an Brisanz.
Die sich aufdrängende kritische Frage – Wie widerstandsfähig können Systeme überhaupt sein? – führt unweigerlich zur nächsten Frage: Erfordern genau diese eventuell gar nicht beherrschbaren Risiken nicht ein Umdenken bezüglich des Umgangs mit hochsensiblen wirtschaftlichen und personenbezogenen Daten?
Aus Sicht der Treuhandbranche ist diese Frage klar mit «ja» zu beantworten. Daten zu wirtschaftlich Berechtigten sind nicht gewöhnliche Verwaltungsdaten. Sie betreffen Eigentumsverhältnisse, private und geschäftliche Strukturen und damit Informationen, deren Schutz für die Sicherheit der dahinterstehenden Personen sowie das Vertrauen in den Finanz- und Wirtschaftsstandort von zentraler Bedeutung sind.
Diese Frage gewinnt zusätzlich an Bedeutung, wenn man auf die bereits für Mitte 2027 geplanten regulatorischen Entwicklungen blickt. Mit dem europäischen Geldwäschebekämpfungspaket – das auch Liechtenstein umsetzt – werden die Anforderungen an Geldwäschereibekämpfung, Transparenz, Datenverarbeitung und Zusammenarbeit der zuständigen Stellen weiter zunehmen.
Noch mehr Transparenz und regulatorische Anforderungen bedeuten zwangsläufig mehr digitale Schnittstellen, mehr Zugriffe und mehr attraktive Ziele für Cyberkriminelle.
Das soll kein Argument gegen wirksame Geldwäschereibekämpfung sein. Es ist ein Argument dafür, noch einmal verstärkt zu prüfen, welche Schutzmechanismen wirklich benötigt werden, um hochsensible Daten langfristig und wirkungsvoll vor unberechtigten Zugriffen zu schützen.
Für einen kleinen und international stark vernetzten Finanzplatz wie Liechtenstein ist digitale Resilienz keine rein technische Frage. Sie ist eine Standortfrage. Vertrauen entsteht nicht allein durch Transparenz und Regulierung, sondern ebenso durch die Gewissheit, dass sensible Daten verantwortungsvoll und sicher behandelt werden. Die jüngsten Vorkommnisse können somit auch eine Chance darstellen, die sich stellenden Herausforderungen in der EU / dem EWR noch einmal neu zu beleuchten.

