
Zu Vertrauen gehört auch digitale Resilienz
«Vertrauensbildend ist insbesondere der richtige Umgang mit dem Vorfall.»
Vertrauen ist das Fundament unseres Finanzplatzes. Vertrauen in eine konforme, verantwortungsvolle Umsetzung der Regularien, Vertrauen in die Rechtssicherheit, aber auch Vertrauen in den sorgsamen Umgang mit hoch sensiblen Daten. Und dies sind nur einige der zentralen Grundpfeiler, auf denen das Vertrauen in den Finanzplatz Liechtenstein beruht.
Wurde dieses Vertrauen durch den erfolgreichen Cyberangriff auf das Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen (VwbP) am 30 Juli 2026 erschüttert? Leider ja. Bei einem Vorfall wie diesem kommen zwangsläufig Fragen auf, wie: Wie konnte das passieren? Warum wurde es nicht früher bemerkt? Hätte es verhindert werden können? Und alle Fragen sind legitim. Vertrauensbildend ist deshalb insbesondere der richtige Umgang mit dem Vorfall.
Ein Blick auf die einschlägigen Datenbanken zu Sicherheitsvorfällen vedeutlicht: Cyberangriffe auf hochsensible Daten sind an der Tagesordnung und einen vollständigen Schutz gibt es nicht. Ein prominentes Beispiel ist der Cyberangriff vom 5. Oktober 2026 auf Dänemarks Bevölkerungsregister. Unbekannte Täter verschafften sich über ein Drittunternehmen, das legalen Zugriff auf das Register hatte, Zugang zur Datenbank. Dabei wurden die Daten von 8,8 Millionen Menschen kompromittiert.
Wenn ein zuverlässiger Schutz von IT-Systemen nicht gewährleistet werden kann, ist aus Sicht der Treuhandkammer ein Umdenken bezüglich des Umgangs mit hochsensiblen wirtschaftlichen und personenbezogenen Daten gefordert.
Anforderungen an Transparenz nehmen zu
Mitte 2027 tritt das europäische Geldwäschebekämpfungspaket (EU-AML-Paket) in Kraft. Bestandteile des Pakets sind die 6. Geldwäscherichtlinie (AMLD6) sowie die EU-Verordnungen AMLR und Amla (Errichtung der AML Behörde).
Die Anforderungen an Geldwäschereibekämpfung, Transparenz, Datenverarbeitung und Zusammenarbeit der zuständigen Stellen nehmen mit diesem weiter zu. Das bedeutet noch mehr Transparenz, noch mehr hochsensible Daten in Registern sowie mehr digitale Schnittstellen und Zugriffswege – und damit eine noch grössere Angriffsfläche für Cyberkriminelle.
Schutzmechanismen vertieft prüfen
Das soll kein Argument gegen wirksame Geldwäschereibekämpfung sein. Aber es ist ein Argument dafür, noch einmal vertieft zu prüfen, welche Schutzmechanismen wirksam sind, um hochsensible Daten langfristig und wirkungsvoll vor unberechtigten Zugriffen zu schützen. Hierzu gehören auch Überlegungen zu einer Datenreduzierung.
Der Finanzplatz Liechtenstein kann diesen Herausforderungen allein nur begrenzt begegnen. Umso wichtiger ist es, das Thema auf EU-/EWR Ebene aufzugreifen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Bleibt dies aus, sind ernsthafte Bedenken angebracht.

